Moritz David Friedrich
Portraits
Freie Arbeiten
Projekte in freier Arbeit ab 2010
2011 ·
Volk vergiften!
Neulich hat mich der Wahnsinn gepackt. Ich habe erkannt, dass ich unser gesamtes Volk vergiften muss. Die Überbevölkerung muss eingeschränkt werden! So geht das nämlich nicht weiter mit dem Raubbau an der Natur, an Mutter Erde. Ich habe mir da einige Strategien überlegt, die so schön unterschwellig laufen können. Gut, wo fange ich an? Will man jemanden vergiften, macht man das nämlich nach und nach…
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2010 ·
Vorfenster
Wenige kennen noch das Prozedere, wenn der Herbst verging und das Haus für die kalte Jahreszeit vorbereitet wurde: früher hängte man außen vor die einfach verglasten Fenster einen zweiten kompletten Rahmen mit Fenstern ein, die der Wärmedämmung dienten. Man nannte diese Fenster Vorfenster. So kam man ohne Frostschäden im Haus über den Winter.
Eine Suche nach den letzten verbliebenen Vorfenstern als Zeugen einer vergangenen Zeit ist zeitaufwändig, lohnt aber durchaus! Der aufmerksame Blick nach oben offenbart uns viele sehr unterschiedliche und auch besonders formschöne Fenster, die die Zeit überdauert haben…
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2010 ·
oben bleiben!
Derzeit tobt ein Streit durchs Ländle. Ein Streit, der unversöhnlich scheint. Zwei Parteien stehen sich gegenüber, die beide für sich das Recht auf Wahrhaftigkeit und Korrektheit in Anspruch nehmen: die Landespolitik, die nach Jahren der demokratischen und politischen Entscheidungsprozesse ein Megaprojekt beschlossen hatte, welches der Bürgerschaft im Nachhinein nicht schmeckt. Die Bürgerschaft ist die andere der beiden unversöhnlichen Parteien.
Selten in der Geschichte der Republik hat es eine derart breite Masse an Protestierern gegeben, die nicht einverstanden sind mit den demokratischen Entscheidungsprozessen der von ihnen gewählten Volksvertreter. In ihren Augen sind die Politiker die Volks-“Zertreter“, die ein Riesenprojekt wie die geplante unterirdische Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofes gegen die Interessen des Volkes durchsetzten sich aber stets darauf berufen, die Vertreter des Volkes zu sein...
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2010 ·
St. Sebastian reloaded- Medien zerstören!
Sebastian war einst ein Märtyrer, der seinen christlichen Glauben gegen jede Obrigkeit verteidigte. Er hatte Glück, mitfühlende Menschen zu finden, die ihn unterstützten bei seiner Berufung, zu seinem Glauben zu stehen. Zu Recht wird er von vielen Menschen verehrt, allerdings haben sich mittlerweile unverständlich viele Gruppen und Ideologien dieses Kämpfers bemächtigt und damit seine Mission verwässert.
Glaubenshelden sind möglicherweise daher heute in unserer christlichen Kultur nicht mehr besonders beeindruckend. Sie sind fast zur austauschbaren, bemitleidenswerten Witzfigur verkommen: „Wie kann man sich so voll krass aufopfern für was? Selbst schuld, der Depp! Ich will Spaß haben und leben“.
Zeit also, die Glaubenshelden in einem modernen Gewand und einer zeitgemäßen Umgebung wieder auferstehen zu lassen. Märtyrer gibt es nämlich noch heute und zwar nicht wenige…
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2010 ·
Musik- und Tonträger zerstören!
Schallplatten?- veraltet! Ist doch nur was für Opas und Klassikspinner.
Musikkassetten? Hä? Issn ditte? Krass, wer hat denn so was noch?
CDs- ach, so was hatte mein großer Bruder. mp3 ist „die neue CD“, Alter!
Innerhalb eines Jahrhunderts gab es einen enormen Sprung im Umgang mit Musik und Ton.
Wer als Kind noch Volkslieder in der Schule gelernt hat, weiß, dass es etwas sehr schönes, verbindendes sein kann, wenn eine ganze Klasse gemeinsam schwingt…
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2010 ·
Fotos zerstören!
Wann hatten Sie zum letzten Mal ein Foto als Abzug in der Hand? Gucken Sie Fotos auch nur noch auf dem Computer an? Wozu sind „echte“ Fotos dann noch gut?
Wer pappt seine Urlaubsbilder denn noch in ein Album? Dazu müsste man doch erstmal die Bilder ausdrucken (lassen) und das bedeutet, man müsste vorher eine Auswahl treffen. Oh je…
Wer heutzutage in den Urlaub fährt, macht hundertausendmillionen Urlaubsbilder auf seiner Kompaktmitallemdrumunddrandigitalkamera. Sie hat ne Menge Geld gekostet, „kann“ dafür aber auch wahnsinnig viele Programme.
Dass jedermann heute wild durch die Gegend knipst, hat zu einer Bilderflut unermesslichen Ausmaßes geführt und dazu, dass die Bilder letztendlich keinen Wert mehr haben …
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2010 ·
Bücher zerstören!
Im weiten Netz dieser Welt scheint alles greifbar zu sein. Abgreifen ist das Rangehen. Möglichst viel sammeln in der Playlist, Videolist, Friendslist, etc.
Man kauft keine Zeitschriften und Magazine mehr am Kiosk, jeder liest Magazin XY- online und schaut sich die Musikvideos und bunten Bilder im Netz an.
Man kann sich schön alles runterladen und sich vollmüllen.
Wie war das gleich noch mal früher?
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2010 ·
Blauer Ballon
Krise Luftballon Blase.
Als ich unterwegs war mit einem Freund, um ein kleines Fotoprojekt über Bewegung umzusetzen, kamen wir auch auf einen Spielplatz. Der Inbegriff der Unbeschwertheit und der Illusion, dass es noch eine friedliche Zukunft für unsere Kinder geben könnte.
Im Getümmel haben wir Fotos gemacht und plötzlich fiel mir dieser Luftballon auf, der da vor sich hin tanzte. Er war an einer Aktentasche angebunden und gehörte vielleicht zu einem Vater, der sein Kind nach der Arbeit von der Kita abgeholt hat…
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2010 ·
überkurzoderlang
Die Hosenlänge beim Mann wird unterbewertet. Was den Frauen an ihren Röcken Drama und Kampf um jeden Zentimeter war und jede Saison wieder ist, soll bei Männern endlich auch einmal Anerkennung finden!
Konzentrieren wir uns auf kurze Hosen und darauf, welche Länge zu kurz ist und was geht und was gar nicht geht.
Es ist scheinbar ein Bekenntnis, welche Länge welche kurze Hose haben muss. Das kann man den Trägern irgendwie noch ansehen. Wenn man sie befragt, haben sie alle eher keine Antwort darauf, warum sie gerade diese Länge tragen und nicht eine wahllos andere.
Machen wir also eine kleine Studie…
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2010 ·
Vanitas
Es gibt in Deutschland viele leere Häuser. Nicht jedes ist zugänglich, die meisten sind immerhin gut gesichert gegen Vandalismus und die Zerstörung durch natürliche Begebenheiten (Regen, Wind, aufsteigende Nässe); doch einige sind- so scheint es- gänzlich dem Verfall preisgegeben.
Besonders auf dem Land und in kleinstädtischen Gegenden kann man eine Menge solcher Häuser finden. Eine Fahrt lohnt sich, nicht nur, um einige „hübsche Nostalgiefotos“ zu knipsen, sondern um sich ein wenig mehr mit dem Gedanken der Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Vanitas- die Vergänglichkeit- kann wunderbar in einem solchen alten Haus gespürt werden.
Sind noch etliche Gegenstände der Vormieter, Vorbesitzer vorhanden, kann man ablesen oder erahnen, wie sie gelebt, ja sogar wie und wo sie gestorben sein könnten…
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2010 ·
Wie zerbrechlich wir sind …
Silke lebt mit einem Mann, der zu viel Alkohol trinkt. Sie ist über 45 und wird nie ein Kind von ihm bekommen, weil er durch den starken Drogen- und Alkoholkonsum zeugungsunfähig geworden ist.
Sie sagt, sie hat sich damit arrangiert, weil sie neben ihrem Job als Kunsttherapeutin ohnehin keine Zeit hätte für ein eigenes Kind. Beide überlegen, ob sie heiraten, um wenigstens so das Gefühl einer Familie zu haben.
Silke blättert abends oft in Familienzeitschriften, während ihr Mann auf Sauftour ist.
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2010 ·
Ziemlich ungewöhnlich
Die Art und Weise wie der Tag begann war ziemlich ungewöhnlich. Ich hatte es nicht sofort bemerkt, was anders war als sonst. Beim zweiten Wimpernschlag begriff ich, was mich in eine sonderbare Stimmung gebracht hatte: in meinem Kopf war es ruhig. Endlich!
Kein Lärm, kein Geräusch, kein Ton, kein Wort, kein Knarren, kein Schlagen, kein Summen und Brummen, kein Scharren und Schleifen, kein Aufröhren und kein Bremsen. Die Straße war leer, die Stadt war leer. Kein Mensch unterwegs – kein Auto, kein Fahrrad.
5 Uhr morgens. Ich kann nicht mehr weiterschlafen. Ich stehe auf und sehe mich fallen in einen tiefen Krater, blau, gelb, rot, schwarz.
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2010 ·
Verstrahlt
Wir leben im "durch-uns-durch"-Zeitalter. Nichts geht mehr knapp an uns vorbei, alles geht durch uns durch.
Schon vor Hundert Jahren begann es damit: Radiowellen waberten unsichtbar durch die Welt. Das war der Beginn eines Grusels, den die Menschen schnell zu verdrängen begannen.
Solange man sich nachvollziehbar vorstellen konnte, dass etwas mit einer Leitung verbunden ist wie z. B. das Telefon, hatte man ein halbwegs gutes Gefühl.
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2010 ·
airport
Viele Flughäfen der Welt sind noch so was von schön "retro".
Die meisten von ihnen erlebten in den 60er, 70er Jahren eine formschöne Überarbeitung und auch mit lustig-fröhlichen Farben wurde nicht gegeizt.
Unmittelbar fällt einem das beste Flughafen-Lied "airport" von "the motors" aus dem Jahre 1978 ein.
Ein zeitlos großes Stück Musik voller euphorischer Melancholie.
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weitere freie Arbeiten:
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2000 bis 2009
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